Direkt zum Inhalt

OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

"Phoenasos" - Ein Tier-Mensch-Friedhof in Parndorf (Burgenland)

"Die Trauerarbeit um ein Tier ist ein wichtiger Punkt auch in unserer Arbeit, den wir überaus ernst nehmen. Es ist uns eine Herzensangelegenheit, auch mit unserer Trauerbegleitung während Ihrer Trauerzeit für Sie da zu sein. Wir haben zu jeder Zeit ein offenes Ohr und wissen um den Umstand des Schmerzes Bescheid, der durch den Tod eines Haustiers ausgelöst werden kann. Vertrauen Sie sich uns daher an, wenn Sie ein Gespräch suchen und von unserer Trauerhilfe begleitet werden möchten. Wir beraten Sie zu allen aufkommenden Fragen, von der Art der Bestattung über die Auswahl einer Urne oder eines Sarges bis hin zur Organisation einer Trauerfeier" (Homepage Phoenasos).

Trauer zwischen Tier und Mensch

Als Hundebesitzerin von mittlerweile zweier "alten Damen" mache ich mir jetzt schon Gedanken, wo und in welcher Form ich meine Mädels beerdigen werde. Wie mir ergeht es wohl zahlreichen anderen. Unsere Hunde haben über viele Jahre in unserer Familie gelebt, oft auch den Tagesablauf bestimmt. "Vielfach war das Haustier ein wichtiger Spiel- und Freizeitgefährte, bisweilen sogar eine Art Partner- oder Kindersatz und somit ein bedeutsamer Sozialpartner" (Ulrike Neurath).

Kunst und Bestattungskultur

Brigitte Seeling, als Künstlerin unter dem Namen Gala von See bekannt, die Geschäftsführerin des Privatfriedhofes Phoenasos erzählt: als ihr Mann das Familienunternehmen Bestattung A. & A. Hitzinger, Neusiedl am See (Burgenland, Österreich), seinem Sohn übergab, suchte er ein neues Betätigungsfeld. "Mein Mann ist eigentlich ein Visionär, geht mit dem Trend, ist aber eigentlich auch immer dem Trend schon voraus". Die Idee zu einem Tierfriedhof wurde geboren. Und diese Idee gefiel Gala von See so gut, dass das Ehepaar beschloss, diesen Parkfriedhof gemeinsam zu gestalten und zu betreiben.

Jahrelang bin ich an dem geschlossenen und immer mehr verfallendenden Parkplatz an der B 50 zwischen den nordburgenländischen Gemeinden Neudorf und Parndorf vorbeigefahren. Doch dann begannen Bauarbeiten und zu meinem großen Erstaunen wies schließlich ein Schild zum Tierfriedhof.

Ein 7.000 Quadratmeter großes Grundstück, zwischen Feldern und einem Wäldchen gelegen, wird von der Bundesstraße durch einen hohen Damm abgeschottet und mittels eines Zaunes vor nicht berechtigten Besucher:innen geschützt. Man hört zwar den dumpfen Lärm der vorbeirasenden Autos, doch viel prominenter ist das andauernde und artenreiche Vogelgezwitscher.

Gebaut wurden ein Büro und eine Verabschiedungshalle. Gleichzeitig wurde der Park in unterschiedliche Sektionen aufgeteilt, wie Urnenplätze im NaturPark oder in der Urnenwand, Baum-Allee, Rosen-Pavillon, Wein-Pavillon, Baum-Kreis und Baum-Bogen (Abb. 1). Derzeit finden wieder Bauarbeiten statt, das Bürogebäude wird erweitert und einige notwendige Nebengebäude damit geschaffen.


Weinbogen (1)

Gala von See sagte im Interview, dass "allein die Bewilligungsverfahren vier Jahre dauerten". Leider haben sie bis heute keinen Strom und auch kein Wasser auf dem Areal. Strom wird mittels Aggregat erzeugt und Regenwasser gibt es in großen Tanks. Mit Anfang 2018 wurde der Tierfriedhof eröffnet, die große Einweihung fand dann im Sommer statt.

Gemeinsames Grab für Mensch und Tier

Der Anspruch, den sich A. Hitzinger und seine Frau Gala von See stellten, war hoch. Einerseits sollte es ein Platz zum Gedenken, Ausruhen oder Spazierengehen sein, andererseits wollten sie alle Wünsche der Tierbesitzer:innen erfüllen. Die besondere Konstellation von Bestatter und Künstlerin als Betreiber dieser Anlage ist natürlich auch bei der Gestaltung dieses Friedhofes deutlich sichtbar.

Schon bald nach der Eröffnung des Tierfriedhofes mehrten sich die Anfragen, ob ein gemeinsames Grab für Mensch und Tier möglich sei. Heute sind knapp 20 Menschen und mehr als 20 Tiere, darunter ein Kakadu und Pferd, in der Erde dieses Friedhofes begraben. Außerdem gibt es schon einige Reservierungen für Familien- und Einzelgräber (Abb. 2).


Mensch Tier Grab (2)

Der gesamte Friedhof ist sehr naturbelassen, aber natürlich fallen Arbeiten wie Rasenmähen und Rosen schneiden, gießen und hier und da faconieren der Bäume an. "Wir sind hier wirklich in der Natur, den ersten Rosenbogen haben uns die Hasen abgefressen. Die jetzigen Rosen haben höhere Stämme. So lernen wir auch immer dazu".

Die Skulptur "Phoenasos"

Die Skulptur dominiert den Eingang und schaut jedem/r Besucher: in beim Betreten des Friedhofes in die Augen. Gala von See hat für den Friedhof die Skulptur "Phoenasos" geschaffen, die in Form einer ägyptisch anmutenden Katze "nicht nur für den Schutz der Parkbewohner sorgen, sondern sie auch auf ihrem letzten Weg ins Jenseits begleiten" soll (Abb. 3). "Phoenasos ist unser Wahrzeichen, unser Wächter. Er ist weder Katze, Hund noch Vogel, aber er soll alles bedeuten. Er hat seine Flügel niedergelegt, die jetzt symbolisch im Büro an der Wand hängen und hat dadurch seine Bestimmung gefunden (Abb. 4). Phoenasos bleibt jetzt ewig und hilft über den Regenbogen ins Jenseits zu gelangen. Das tut er sowohl für Mensch als auch Tier".


Phoenasos (3)

Flügel Phoenasos (4)

Verabschiedungshalle

Frau Gala vom See hat die Verabschiedungshallen der meisten Kirchen immer als bedrückend, finster und kalt empfunden. Deshalb sollte jene auf diesem Friedhof besonders "schlicht, schön und freundlich sein. Immerhin ist das hier ja immer ein sehr trauriges Treffen". Dies gelang mit einem hohen und luftigen Bau, einem weißen Wandanstrich, hellen Sesseln und Ober- und Unterlicht. Der Sarg oder die Urne wird direkt unter der kleinen Glaskuppel aufgebahrt, strahlt also im Licht. In Zukunft sollen große Spiegel an den Wänden diesen Raum noch größer und leichter wirken lassen (Abb. 5).


Verabschiedungshalle innen (5)

Bei einer Führung über das Areal sind mir drei Gräber besonders aufgefallen. Coco - ein Kakadu (Abb. 6). Frau Gala erzählt, dass Coco bereits 2014 verstorben ist und der Besitzer Cocos Urne bei sich zu Hause aufbewahrt hat. Als dieser Friedhof eröffnet wurde, wollte er seinen schon länger verstorbenen Vogel begraben lassen und hat sich ein passendes Grab ausgesucht. "Coco hätte das Recht es schön zu haben und ich kann ihn jederzeit besuchen". Nun ruht Coco in Parndorf.


Coco der Kakadu (6)

Gerhard Heider wusste schon immer, dass er gemeinsam mit seinem geliebten Hund begraben werden wollte. Deswegen kam gar kein anderer Friedhof für ihn in Frage. Baby Boy verstarb auf den Tag genau ein Jahr nach seinem Herrchen. Seitdem liegen die beiden in einem Grab wieder vereint unter dem von Herrn Heider ausgewähltem Baum.

Als der geliebte Hamster starb, be-schloss die Familie diesmal dieses Tier auf einem Friedhof begraben zu lassen (Abb. 7). Er liegt nun in der Baumallee. Die Grabgestaltung übernahmen die Kinder der Familie. Hier sollte nicht nur dem Hamster gedacht werden, sondern auch allen schon vor einiger Zeit verstorbenen Haustieren. So bemalten die Kinder Holzplättchen und Steine, schrieben darauf die Namen der Verstorbenen. "Jetzt sind wieder alle vereint, an einem Platz und können miteinander spielen".


Hamsterbegräbnisstätte (7)

Aus eigener Erfahrung weiß Gala von See, dass "wenn ein Tier stirbt, ist man immer irgendwie im Schock. Auch wenn der treue Begleiter schon krank und alt war, es also absehbar war ..., wenn es dann tatsächlich passiert ist man nicht vorbereitet. Da sind die Menschen in einem Ausnahmezustand. Wir erklären ihnen dann, welche Möglichkeiten es gibt, helfen ihnen bei der Entscheidung und organisieren alles. Oft sind wir auch Seelentröster".

Die Besitzer:innen wollen, dass es ihrem Tier auch nach dem Tod noch gut geht und dass sie es besuchen können, wenn sie Sehnsucht haben. "Manche haben während Lebzeiten für ihren Liebling mehr gemacht als für sich selbst, oft unzählige Arztbesuche bezahlt, was sie für sich nicht machen würden. Sie erzählen mir immer, dass sie etwas verloren haben". Viele haben mit Herz und Seele an ihrem tierischen Begleiter gehangen, haben jahrelang Verantwortung für ihn übernommen und wol-len dies nun auch noch beim Abschied tun.

Viele Herrchen und Frauchen gestalten die Verabschiedung ihres geliebten Haustieres sehr persönlich. Gala von See hat bei diesem Anlass schon viel sehr Berührendes und ganz Besonderes erlebt. Ein Künstlerehepaar las bei der Verabschiedung ihres Hundes Gedichte. Andere wählen Musikstücke aus oder haben sogar Trauerredner. Besonders ergreifend sind oft die Menschverabschiedungen, die mit viel Liebe und oft auch Aufwand gestaltet werden.

Erinnerungsutensilien

Phoenasos bietet nicht nur eine große Auswahl an Urnen für Haustiere, auch jene für Menschen sind teilweise wirklich außergewöhnlich. Die Urnen sind zum Teil Unikate und können jederzeit persönlich abgestimmt werden. Gala von See gestaltet die Urnen sehr kreativ nach den Wünschen ihrer Kundinnen. Auch alle Grabplatten oder Figuren für Mensch und Tier stammen von Gala von See (Abb. 9).


Von Gala von See gestaltet (9)

Um das Haustier auch weiterhin immer bei sich zu haben, gibt es eine große Auswahl an schönen Erinnerungs-Schmuckstücken für Hals und Hand aus den Edelmetallen Stahl, Silber, Gold und Rotgold. In diese Objekte kann man eine Haarlocke oder die Asche des verstorbenen Tieres füllen. Oder man lässt sich einen Edelstein anfertigen. Dies ist aus dem Haar oder der Asche des geliebten Tieres möglich. Auf wunderschönem Papier oder anderen Materialien werden individuelle Pfotenabdrücke als Erinnerung abgenommen (Abb. 8, 10) .


Kennzeichnung (8)

Gedenken (10)

Bei meinem Besuch konnte ich die Bestellung einer Kundin bewundern - Zertifikat über Einzelkremierung, Urne in Katzenform, Halsschmuck, zusätzlich eine Glaskugel für Asche als Anhänger und Pfotenabdruck auf Papier. "Aber bei manchen, speziell Kundinnen, ist die Palette noch viel größer".

Phoenasos ist der einzige Tierfriedhof im Burgenland. Besonders wurde dieser Platz natürlich dadurch, dass sich nun auch Menschen mit ihren Tieren in einem Grab beerdigen lassen können. Die Tiere können sowohl mittels Urnen- als auch Erdbestattung hier ihren letzten Platz finden. Der Mensch im selben Grab kann nur in der Urne begraben werden. Manchmal geht der Mensch voraus, aber meistens folgen die Besitzer:innen ihren Tieren ins Grab (Abb. 11-13).



Urnenwald (12 und 13)

Auch Menschen ohne Haustiere nützen mittlerweile die Möglichkeit am Tier-Mensch-Friedhof in einem naturbelassenen Grundstück ihre letzte Ruhe zu finden. So wie das Ehepaar Karl und Elisabeth Wielander sich wünschte im Wald des Friedhofes begraben zu werden.

Mit Ende des heurigen Jahres soll auch eine Wasserbestattung möglich werden. Ein Seerosenteich mit einem kleinen Wasserfall ist geplant. Die Asche des Verstorbenen wird dann löffelweise über das fließende Wasser in das idyllische Becken gespült. "Wir wollen alle Wünsche der hier Bestatteten oder der Hinterbliebenen erfüllen". Es ist noch Platz am Grundstück um auch weitere Wünsche, Ideen oder Trends zu verwirklichen.

Quellen und Literatur:
Interview mit Gala am See am 14.6.2022
https://www.tierfriedhof-phoenasos.at
Ulrike Neurath: Eine tierische Liebe - (Mensch-)Tier-Bestattungen als Kulturphänomenin: Ohldorf - Zeitschrift für Trauerkultur Nr. 148, I/2020

Fotos Christiane Golubits

Auflistung alle Artikel aus dem Themenheft Landschaftliche Gräberfelder (September 2022).
Erkunden Sie auch die Inhalte der bisherigen Themenhefte (1999-2022).