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OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Der Friedhof Ohlsdorf - ein sperriges Denkmal

Ungefähr 40 Besucherinnen und Besucher waren am 27.3.2022 in das Forum Ohlsdorf gekommen, um nach langer Pandemiepause endlich wieder einen vom Förderkreis organisierten Vortrag zu hören. Dr. Heike Trost, zuständig für Inventarisation, und Dr. Jens Beck, der Gartendenkmalpfleger im Denkmalschutzamt Hamburg, sprachen über ihre jeweilige Sicht auf den Ohlsdorfer Friedhof.

Jens Beck arbeitete zuerst die Besonderheiten der Anlage von Parkfriedhöfen heraus. Ihre Gestaltung mit geschwungenen Wegen und Buschwerk, das besonders an den Wegekreuzungen angepflanzt wurde, kristallisierte sich in Deutschland seit der Mitte des 19. Jahrhunderts immer mehr gegenüber der bis dahin üblichen Friedhofsgestaltung mit einem rechtwinkligen Wegekreuz heraus. In Hamburg wies schon der 1844 angekaufte, ehemalige St.-Jacobi-Friedhof geschwungene Wege auf. Kurz ging Jens Beck auch auf die Vorläufer im Ausland, darunter besonders den Pariser Friedhof Père Lachaise, ein. Anhand von Einzelbeispielen zeigte er dann Probleme der Gartendenkmalpflege auf, die damit zu kämpfen hat, dass sich die ursprüngliche Gestaltung im Laufe der Zeit immer wieder verändert, so dass unterschiedliche Zeitschichten darauf geprüft werden müssen, ob sie erhaltenswert sind.

Heike Trost setzte den Vortrag mit dem Thema der Inventarisation speziell von Grabmalen der 1950er bis 1980er Jahre fort. Diese Grabmale wurden von dem Forschungsprojekt der VW-Stiftung aufgrund der zeitlichen Nähe - Vorarbeiten zum Projektbegannen 1979 - nicht erfasst. Allerdings existiert eine Kartei mit Einzelgrabmalen aus diesem Zeitraum hin, da einige besonders auffällige Grabmale während des Projektes nebenher "miterfasst" worden sind. Zudem existiert beim Förderkreis die Kartei aller Grabfelder mit den zugehörigen Überblicksaufnahmen, die den Zustand auch von Feldern des entsprechenden Zeitraumes dokumentieren. Heike Trost verglich die Anlage der Felder der 1920er und 30er Jahre mit dem Städtebau der jeweiligen Zeitschichten und konnte auch für die 1950er Jahre auf Analogien z.B. des Urnenfeldes H-J 16 mit städtebaulicher Planung verweisen. Deutlich wurde dabei, dass die Erforschung der Grabmalkultur und Grabfeldgestaltung dieses Zeitraums ein sehr lohnendes Thema ist und, dass es unumgänglich ist, dass möglichst schnell Kriterien in Bezug auf den Erhaltungswert der Grabmale und -felder herausgearbeitet werden. Gerade die Grabfelder der 1950er Jahre wurden sehr sorgfältig geplant und mit zeitgenössischen Zierbrunnen und Plattenwegen ausgestattet. An den Entwürfen waren neben dem Friedhofskulturdienst auch die in der Friedhofsverwaltung tätigen Gartenarchitekten beteiligt. Die weitere Forschung kann da auf ein großes Konvolut von zeitgenössischen Plänen im Archiv der Friedhofsverwaltung zurückgreifen.

Auflistung alle Artikel aus dem Themenheft Der Bildhauer Heinrich Pohlmann (Juni 2022).
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