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OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Die sozialen und kulturellen Dimensionen der Friedhöfe und ihre Bedeutung für die europäische Identität

Dieser Band enthält - auf Spanisch und zum größten Teil auch auf Englisch - die Vorträge, die am 6. und 7. März 2020 auf dem internationalen Symposium zur Bestattungskultur der "Gesellschaft für Anthropologie von Murcia (SOMA)" gehalten wurden. ForscherInnen aus Großbritannien, Deutschland, den Niederlanden und Spanien nahmen daran teil. Die Aufsätze thematisieren insgesamt die sozialen und kulturellen Dimensionen der Friedhöfe und ihre Bedeutung für die europäische Identität.

In Murcia besteht seit 2015 eine Zusammenarbeit der anthropologischen Gesellschaft mit dem Stadtrat zur Erforschung der Bestattungskultur. Es wurden thematische Führer herausgegeben und schon 2018 ein erstes Symposium durchgeführt, dessen Ergebnisse in der Ausgabe 26 (2019) der oben genannten Zeitschrift veröffentlicht sind.


In diesem neuen Band gibt Norbert Fischer eine Einführung in die Begrifflichkeit, die sich im Rahmen von Erinnerung und Gedächtnis in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat. Im Rahmen des Konzeptes der Erinnerungslandschaft stellt er beispielhaft europäische Friedhöfe des bürgerlichen Zeitalters vor. Julie Rugg von der Universität York stellt Überlegungen über die Wechselbeziehungen zwischen Erhaltung, Forschung und Interpretation von Friedhöfen in Zeiten eines wachsenden Interesses am Friedhofstourismus an. Sie zeigt dabei Probleme auf, die sich daraus ergeben können, dass viele Friedhöfe immer noch genutzt werden und fordert, dass auf die Interessen der Hinterbliebenen Rücksicht genommen werden muss, da Aktivitäten, die die "Sakralität des Friedhofs" untergraben, immer auch sein immaterielles sepulkrales Erbe untergraben. María Dolores Palazón Botella von der Universität von Murcia stellt die soziale und künstlerische Dimension eines eisernen Grabmals vor und zeigt, wie sich in der Gestaltung und dem Material der Beruf, das Arbeitsethos und die christlichen Ideale des Graberwerbers, eines Industriellen, widerspiegeln. Susanne Kitschun ist in Berlin für den Friedhof der Revolution von 1848 zuständig. Er wurde im Laufe der Zeit unter den verschiedenen politischen Systemen immer wieder umgestaltet, war aber von Anfang an ein Ort für zwei Zwecke: für die persönliche Trauer der Angehörigen der Toten und für Massendemonstrationen und politische Gedenkveranstaltungen zur Förderung von Bürger- und Menschenrechten. Der niederländische Architekt und Historiker Jeroen Geurst zeigt, wie britische Soldatenfriedhöfe mit dem Ziel entworfen wurden Orte des Nationalen Gedenkens zu schaffen. Dabei gibt es einen gemeinsamen Stil, der je nach Ort individuell variiert werden konnte. Dank der Pflege durch die Commonwealth War Graves Commission befinden sich die britischen Soldatenfriedhöfe noch immer in perfektem Zustand und spielen eine wichtige Rolle bei der Erinnerung an die Weltkriege. Joachim Jacobs, Architekt und Historiker aus Berlin, gibt einen Überblick über jüdische Friedhöfe in der europäischen Geschichte und ihre Bedeutung für die Kultur und das Gedächtnis des Kontinents. Die Ausgabe schließt mit einem Beitrag von Pablo Jesús Lorite Cruz, Doktor der Kunstgeschichte, der die antiken Begräbnisrituale der Totenwache und der Bestattung, bei denen die Herrichtung des Leichnams eine we-sentliche Rolle spielte, mit neuen Bestattungsritualen vergleicht.

Revista Murciana de Antropología, Núm. 28 (2021): Klaus Schriewer, Pedro Martínez Cavero, El cementerio como lugar de la memoria europea. The cemetery as a place of European memory, Murcia 2020 (die beiden Bände der Zeitschrift, die Friedhöfe thematisieren, stehen online unter https://revistas.um.es/rmu/issue/archive)

Auflistung alle Artikel aus dem Themenheft Gemeinnützige Bestattungskultur (März 2022).
Erkunden Sie auch die Inhalte der bisherigen Themenhefte (1999-2022).