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OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Wenn Grabsteine erzählen: Das Pinkwart´sche Pflanzloch

Eine unauffällige Breitstele auf dem Ohlsdorfer Friedhof bei Kapelle VIII, Planquadrat AG 9, 294-95, führt u.a. die Inschrift "Hermann Pinkwart/1865-1953".

Zunächst nichts Ungewöhnliches, doch dann stutzt der Verfasser, denn aus seiner Lehrzeit kennt er den Begriff "Pinkwart`sches Pflanzloch". Damals, 1951-1954 in der Baumschule Klein Borstel, wurde er mit dieser Pflanzweise vertraut gemacht - doch davon später.

Pinkwart war von 1891 bis 1931 Obergartenmeister auf dem Friedhof und zugleich hier auch Schadwildjäger. Lange Zeit hat er unter dem von ihm sehr verehrten Friedhofsdirektor Cordes gearbeitet. "Er war mit Leib und Seele in seinem Beruf tätig. Die Diziplin, das Verantwortungsbewusstsein und die aufopfernde Hingabe der damaligen Angestellten ist für uns kaum mehr vorstellbar. Es gab kaum Freizeit. Es wurde 10 Stunden am Tag gearbeitet, auch sonnabends und oft auch am Sonntagvormittag, und doch war es eine schöne Zeit für ihn gewesen", so seine Enkelin, Christa Mitropoulos. Er muss sich auch mit der rationellen Arbeitsweise des Pflanzens von kleinen Gehölzen befasst haben, wie der Begriff "Pinkwart`sches Pflanzloch" vermuten lässt.

Das Herstellen des Pflanzloches in quadratischer Größe einer Spatenbreite und -tiefe erfolgte in einem gleichmäßigen vorgegebenen Rhythmus. Je ein Spatenstich an den Kanten mußte sofort bis in die endgültige Tiefe reichen. Mit dem letzten Stich hob man den Boden heraus und warf damit das vorher ausgehobene Loch wieder zu. Ein zweiter Mann hielt in dieses Loch bereits eine Pflanze und trat das Erdreich anschließend mit dem Fuß fest. Es ergab sich damit folgender Sechser-Rhythmus, der unerbittlich eingehalten werden mußte: Links / hinten / rechts / vorne / zuwerfen / ein Schritt zurück. Dann eine Pause von der Dauer eines Taktes. Diese Pflanzweise war natürlich nur möglich, wenn der Boden vorher gelockert war. Und wie pflanzt man heute?

Auflistung alle Artikel aus dem Themenheft In der Fremde begraben (Februar 2001).
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