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OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

"Geht nicht, gibt’s nicht" - Der Steinmetzmeister Uli Beppler

Autor/in: Andrea Weber
Ausgabe Nr. 117, II, 2012 - Mai 2012

Das Handwerk hat goldenen Boden, heißt es. Steinmetzmeister Uli Beppler weiß, wie schwer es heute ist, auf diesem Boden solide zu stehen. Doch er ist der festen Überzeugung: Am Ende setzt sich Qualität durch.

Als Uli Beppler die renommierte Firma Carl Schütt & Sohn im Jahre 2000 übernahm, wusste er genau, was er wollte: Er hatte Ideen im Kopf, große Pläne im Gepäck und soeben ein neues Werkstattgebäude realisiert. "Ohne Naturstein, ohne Farbe, ohne Fliesen", schwärmt er. Ein moderner Kubus mit viel Glas und Holz, mit Türen aus Metall und chinesischen Schriftzeichen über dem Schreibtisch. Mit einer Wand voller Bücher und einer lichtdurchfluteten Werkstatt, in der heute neben monumentalen Granitblöcken auch filigrane Engelskulpturen, künstlerisch gestaltete Grabsteine und historische Skulpturen zu sehen sind – eben alles, was man aus Stein fertigen oder bearbeiten kann. Der Bau zieht die Blicke auf sich, jedenfalls dort, wo er steht – im Industriegebiet, am anderen Ende von Altona, am Diebsteich, zwischen Obstgärten, Baumärkten, Backsteinbauten und Autobahnzubringer.

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Der Steinmetzmeister Bert Ulrich Beppler in seinem Atelier. Foto: A. Bock

Vor mehr als zehn Jahren, als Uli Beppler mit seinen beiden Gesellen ins Geschäft einstieg waren neue Konzepte im Handwerk überhaupt nicht gefragt. Hatte Henning Hammond-Norden, sein Vorgänger und einstiger Lehrmeister, den Betrieb über Jahre zur Anlaufstelle für künstlerisch und handwerklich anspruchsvolle Steinarbeiten etabliert, so schien es plötzlich, als würden Spezialaufträge für Steinmetze in der Hansestadt nicht mehr vergeben. Die Stadt hatte offensichtlich kein Geld für aufwendige Gebäuderestaurierungen. Und die Hamburger selbst begannen gerade, Gefallen daran zu finden, sich anonym bestatten zu lassen oder ließen ihre Asche ins Meer streuen. "Es fragte auch keiner mehr nach Grabsteinen", erzählt Beppler. Kein Wunder, auf den Friedhöfen dominierten glatt geschliffene Steine, die der Großhandel konkurrenzlos billig liefern konnte. Die Luft wurde für ihn und seine Mitarbeiter ziemlich dünn. „Ich habe dann beschlossen, einfach ALLES zu machen, was die Kunden wollten, manchmal, ohne genau zu wissen wie ich es anstellen sollte”, erzählt er. Er fertigte Küchen, Fassaden und Kinotresen, renovierte und besserte aus und merkte irgendwann, dass die Arbeiten jenseits der Routine ihm eigentlich am meisten Spaß machten. "Ich habe immer versucht, die Dinge etwas anders zu sehen und zu machen", erzählt er.

Mit diesem Grundsatz hat er sein Geschäft aufgebaut und so berät er auch seine Kunden. In prall gefüllten Ordnern hat er Fotos seiner Grabsteine, Reliefs und Skulpturen gesammelt. Es gibt kaum einen Kunden, der sich davon nicht inspirieren lässt. Und das ist Beppler wichtig. Denn wer ist schon auf einen Todesfall vorbereitet, wer schlendert schon zum Steinmetz und betrachtet Grabsteine wie andere Designermöbel. "Die meisten Leute sind in irgendeiner Weise überfordert mit dem Tod eines Angehörigen und wissen nicht so recht, was sie wollen", erklärt Beppler und fügt hinzu: "Wenn die dann mit einer Idee aus meinem Büro wieder hinausgehen, bin ich zufrieden." Das Zusammenspiel von Form, Oberfläche und Schrift ergibt schließlich ein ganz individuelles Ergebnis. Und das ist gut so, denn Grabsteine meinen etwas Anderes als ein Name in blank geschliffener Granitplatte. Steine haben Symbolkraft, im besten Falle erzählen sie auf diese oder jene Weise die Geschichte des Verstorbenen. Und im allerbesten Fall berühren sie Angehörige wie auch Fremde, weil diese in einem Grabstein mehr lesen können als auf den ersten Blick zu sehen ist.

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Steinmetzmeister Bert Ulrich Beppler. Foto: A. Bock

Bepplers Blick für das Andere, das Besondere und für Räume, in denen das Besondere Platz finden kann, haben ihn vielleicht damals vor elf Jahren auch zum "Garten der Frauen", der gerade entstehen sollte, geführt. Heute sagt er, das war vielleicht sein Glück. Der wunderschön gestaltete blühende Garten inmitten des Ohlsdorfer Friedhofs, in dem auf ganz besondere Weise an die Geschichte der Frauen erinnert wird, bot damals Raum für ein paar auserwählte Steinarbeiten. Und wer hätte diese symbolträchtigen kleinen oder großen Skulpturen, den Brunnen, die Wellen aus Sandstein oder die steinerne Schnecke besser fertigen können als er. "Es reizt mich, traditionelle Strukturen aufzubrechen und Neues einzubringen", sagt er. Das ist ihm dort und an vielen anderen Stellen auf Hamburgs Friedhöfen gelungen.
Die Dinge, die sein Handwerk besonders und einzigartig machen, interessieren ihn, und er setzt sie um. "Geht nicht, gibt’s nicht", sagt er. Neulich war es eine winzige Steinkugel, die ein Kunde orderte, Durchmesser: ein Zentimeter – eigentlich eine Spielerei. Er bekam seine Kugel. Ulrich Beppler macht aus Stein alles, im Herzen ist er Künstler, auch wenn er immer betont: "Ich bin nur Steinmetz!".

Auflistung alle Artikel aus dem Themenheft Die Europäische Route der Friedhofskultur (Mai 2012).
Erkunden Sie auch die Inhalte der bisherigen Themenhefte (1999-2022).