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OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Finis Vitae Non Amoris – eine Skulptur von Ricarda Wyrwol

Autor/in: Lutz Rehkopf
Ausgabe Nr. 108, I, 2010 - März 2010

Die Sandstein-Skulptur mit dem lateinischen Titel FINIS VITAE NON AMORIS (Das Leben endet, die Liebe nicht) befindet sich seit Mitte 2009 an der Mittelallee auf dem Ohlsdorfer Friedhof, benachbart zur Stahlplatten-Plastik "Grablegung" von Gloria J. Umlauft-Thielecke aus dem Jahr 2000.

Gestaltet wurde diese Skulptur im Auftrag der Hamburger Friedhöfe -AöR- von der hamburgischen Künstlerin Ricarda Wyrwol. Auf einem quadratischen Hocker sitzt ein Paar, die Schultern zart aneinander geschmiegt und leicht einander zugeneigt. Die Körper sind als abstrakte Figuren ausgeführt und in Flächen und Spannungslinien aufgelöst. Köpfe und Körper sind sensibel geformt und erlauben eine Meditation über das Paar. Wichtig war, dass beim Betrachten der Körper keine Geschlechtszugehörigkeit zu erkennen ist. So lohnt sich ein zweiter Blick auf diese scheinbar einfach geformten Figuren. Die Figuration ist Ergebnis einer fast 20 Jahre andauernden Beschäftigung der Künstlerin mit Linienführung, Flächengestaltung und Material der Figur. Sie tritt in nahezu allen ihren Werken auf. Immer geht es um Beziehungen zwischen Figuren untereinander bzw. von einzelnen Figuren zu Objekten.

Ricarda Wyrwol ist auf den Friedhöfen Ohlsdorf und Öjendorf keine Unbekannte. Ihre "Beweinung" wurde 2002 in Öjendorf als Gedenkplatz für die Verstorbenen ohne Angehörige aufgestellt. Seit 2005 steht auf der Grabstätte Albrecht Honecker in Ohlsdorf ein Grabstein von ihr mit dem Titel "Erster unter Gleichen". Alle ihre Figuren besitzen die wiederkehrenden Merkmale von Linienführungen und Flächen. In ihren weiteren Arbeiten hat sich Ricarda Wyrwol mit spirituellen und religiösen Themen auseinandergesetzt. Davon zeugen in Hamburg der erhabene siebenarmige Leuchter in der Hauptkirche St. Nicolai, das schwebende Epitaph in der Domkirche St. Marien sowie eine Holzfigur in St. Bonifatius.

Auflistung alle Artikel aus dem Themenheft Grabmalinschriften (März 2010).
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